Das geflügelte I



„Gib mir einen neuen, beständigen Geist“. Diese Bitte aus dem Psalm 51,12 deutet Innovation in der Kirche als fachliches, theologisches und geistliches Geschehen. Mit dem „geflügelten I“ findet diese dreifache Dimension einen grafischen Ausdruck.
 
 
Innovation verbindet man mit etwas Neuem. Dieses Neue baut in der Regel auf dem Bisherigen auf, verändert es aber so, dass ein Mehrwert, eine Verbesserung und eine Qualitätssteigerung spürbar werden. Tradition und Innovation stehen also in einem polaren, oft auch spannenden Verhältnis und provozieren zum kreativ-konstruktiven Handeln. Solche Veränderungsprozesse unterliegen Regeln, die gut erforscht sind. Wer sie lernt, wird sich beim Innovieren im je eigenen Kontext leichter tun.

Theologisch hat Innovation konstitutiv mit Glaube und Kirche zu tun. Erst der lebendige, erneuernde und befreiende Geist Gottes bewirkt Kirche als in der Geschichte präsenten Leib Christi, Vergegenwärtigung seines Heilshandelns in der Welt und Verkündigung der Frohen Botschaft. Das war beim ersten Pfingstfest so und ist so bis zum heutigen Tag. Die geringe Bedeutung des Pfingstfestes und der dritten Göttlichen Person korrespondieren mit der Geringschätzung von Innovation und der Unausgewogenheit von Bewahren und Erneuern in vielen kirchlichen Bereichen.

Die geistliche Dimension rückt neben dem Aspekt des Neuen die Dimension der Beständigkeit, des Langmuts, der Treue, der Beharrlichkeit, ja der Hartnäckigkeit in den Blick. Innovatoren in allen Bereichen sind immer Menschen und Teams, die durchgehalten haben und trotz Widerstände, Verleumdungen und Verspottung nicht aufgegeben haben. Sie haben durch vielfaches Scheitern letztlich erfolgsversprechende und fruchtbare Wege der Verwirklichung ihrer Visionen und Ziele gefunden. Sie sind lernbereit, demütig und selbstbewusst. Sie stellen sich in ihrer Schwachheit und mit ihren Talenten als Werkzeuge für Gott zur Verfügung. Sie lassen sich nicht vereinzeln, sondern verstehen sich als Glieder eines Leibes, als Teile eines Systems, als Instrumente eines Orchesters.

Georg PLANK