… damit sie mehr Früchte bringen!

Wie Sie mit dem Rebenprinzip den Aufwand verringern und die Ergebnisse steigern

Mit Pfarren und anderen kirchlichen Organisationen wende ich oft das „Rebenprinzip“ an. Gemäß Johannes 15,2 gilt es dabei, fruchtlos Gewordenes abzustellen. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn wie misst und bewertet man in der Kirche „Früchte“? Außerdem fällt es vielen schwer, sich von Gewohntem zu trennen. Sie scheuen die Widerstände oder fürchten, dass Kürzungen nur zu einem (weiteren) schmerzhaften Rückgang führen.

Der zweite Teil der biblischen Metapher motiviert hingegen leichter zum Handeln: „Die Reben, die Früchte bringen, reinigt er, damit sie mehr Früchte bringen!“

Jedem Weinbauern ist dieser Arbeitsschritt des „Reinigens“ vertraut, also des Entfernens von Geiztrieben oder großen Blättern etc., um die Trauben zu möglichst gutem Wachstum zu verhelfen. Dieses agrarische Beispiel hat für jedes System Gültigkeit, auch für Pfarren. Denn egal, wie es gerade läuft, ob die Generaltendenz abwärts oder aufwärts zeigt, ob es gerade Probleme oder Erfolge gibt: Jeder kann zunächst einmal benennen, was gut funktioniert bzw. wo erwünschte Wirkungen bereits jetzt sichtbar sind, und seien sie noch so unscheinbar.

Wer beschreiben kann, was für ihn „Früchte“ ausmachen, setzt einen wichtigen Schritt in Richtung mehr Effizienz und Effektivität. Woran erkennt man denn, ob eine Aktion oder ein Prozess Früchte bringt? Sind es qualitative oder quantitative Merkmale oder beides?
Nach dieser Konkretisierung wird Punkt für Punkt geprüft, ob die einzelnen Maßnahmen das Wachsen der gewünschten Früchte fördern oder nicht. Da entdeckt man schnell, dass viele für unverzichtbar gehaltenen Arbeitsschritte ohne Verlust weggelassen werden können.

Anschauungsbeispiel: Pfarrfest

Viele Pfarren feiern einmal jährlich ein Pfarrfest, wo in der Regel nach der Sonntagsmesse mit Bewirtung, Musik und Rahmenprogramm weiter gefeiert wird. Viele Pfarrfeste ähneln vergleichbaren Vereinsfesten ihrer Region.

Früchte:
Warum macht ihr überhaupt ein Pfarrfest? Darauf antworten viele Engagierte sinngemäß so: Damit wir Gemeinschaft erleben, damit wir Menschen erreichen, die selten kommen, damit wir Pfarre positiv erlebbar machen …

Rebenprinzip:
Wie kann man diese Zielsetzungen schärfen? Präzisieren Sie, welche Art von Gemeinschaftserlebnis über generelle Kriterien hinaus das spezifisch Christliche sichtbar machen? Da kommen dann Ideen wie: Vorrangig den Menschen Gemeinschaft anbieten, die am Rande der Gesellschaft leben, wie Armen, Kranken, Minoritäten, Asylanten etc., oder der zunehmenden Vielfalt in der Bevölkerung bewusst Raum geben, oder speziell diejenigen ansprechen, die sich von der Kirche ausgeschlossen fühlen wie Wiederverheiratet-Geschiedene, Ausgetretene, LGBTQ etc.

Merken Sie, wie alleine eine solche Schärfung des Themas Gemeinschaft einem „normalen“ Pfarrfest einen ganz anderen Dreh geben könnte? Wer nun von diesen erwünschten „Früchten“ her die bisherige Organisation und die einzelnen Merkmale des Pfarrfestes durchforstet, hat einen verlässlichen Kompass, um das „Reinigen“ zu bewerkstelligen. Was fördert Gemeinschaft mit den „Armen“ konkret? Ist es die Tombola? Ist es das Kinderprogramm? Ist es die bisherige Art von Musik oder Bewirtung? Was davon müsste man verändern, weil es kaum Wirkungen bringt oder sogar kontraproduktiv ist? Und welche Ideen gibt es, um die geschärfte Zielsetzung nicht nur zu wollen, sondern auch tatsächlich zu erreichen? Wie könnte erreicht werden, dass gerade Einsame, Marginalisierte und Arme bei einem Pfarrfest echte Gemeinschaft erleben und ein Stück erlöster heimgehen?

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