… Potentiale wachküssen

Vitalisieren mit denen, die da sind

„Wir würden ja gerne, aber mit unserem Chef geht es nicht!“, klagen viele MitarbeiterInnen. „Ich wüsste ja, wie wir erfolgreicher sein könnten, aber mit meinen Leuten geht es nicht!“, konstatieren hingegen viele Führungskräfte. Jeder sieht die Schuld für Stagnation und Niedergang beim anderen.
Auch in kirchlichen Organisationen ist diese subtile Form der Innovationsverweigerung oft zu hören. Nachdem der simple Austausch der Belegschaft kaum möglich ist, muss man sich der Frage stellen: Wie ist Erneuerung und Vitalisierung mit den bestehenden Ehren- und Hauptamtlichen möglich? Dabei gilt es einen realistischen Weg zu finden zwischen Alles und Nichts. Ganz wenige Menschen verweigern sich total und absolut jeglicher Veränderung. Sie mögen skeptisch sein oder Angst haben, dennoch verfügen sie über bestimmte, oft verborgene Potentiale, die es wachzuküssen gilt. Am besten geht das dann, wenn man nicht Menschen verändern will (das stößt meist auf starke Widerstände), sondern die Rahmenbedingungen attraktiviert. Wie kann das jeweilige System mit seiner spezifischen Kultur so weiter entwickelt werden, dass Müde wieder munter werden, Frustrierte neue Hoffnung schöpfen und Nachlässige Verantwortung übernehmen?
Bei unserem diesjährigen Familiensommerfest konnte ich wieder einmal beobachten, wie einfach dieses Prinzip funktioniert. Ein bereitgestellter Tischtennistisch, einige gemütliche Sitzecken im Schatten und ein paar Fotoalben bewirkten unterschiedliche Dynamiken und freudvolle Aktivitäten auch und gerade bei Gästen, die ohne diese Incentives vielleicht fad herumgesessen und (zuviel) gegessen und getrunken hätten. Oder sich aus Fadesse in ihr Smartphone geflüchtet hätten.

Anschauungsbeispiel

Die wöchentliche Kinderkirche in unserer Pfarre ist eine große Herausforderung für die beteiligten Ehrenamtlichen. Bei der Umstellung von monatlich auf wöchentlich half eine paradox klingende Regel: Niemand darf öfter als einmal im Monat aktiv sein! Das bewirkte eine Offenheit für neue Engagierte. Zugleich wurden drei Bereiche mit Bereichsverantwortlichen geschaffen: Bei Gastfreundschaft und Organisation geht es darum, dass immer alle Materialien vorhanden sind, dass Ordnung und Sauberkeit herrschen und dass sich die Mitfeiernden wohl fühlen können. Beim Bereich Musik geht es um die Suche und Bildung von MusikerInnen, die gerne ihren Beitrag für einen lebendigen Gottesdienst leisten. Und die Verantwortliche für Gebet und Botschaft baut einen Kreis von Leuten auf, die es verstehen, gut mit Kindern über die Frohe Botschaft ins Gespräch zu kommen und mit kreativen Methoden diese kindgerecht zu erschließen.
So verteilt sich die Verantwortung auf viele Schultern. Die Aufgabe ist leistbar. Und jede/r hat das erfüllende Gefühl, einen wichtigen und unerlässlichen Beitrag für die gemeinsame Vision zu leisten: Kinder sollen GERNE in die Kirche kommen!