… bereitet den Weg

Autobahnen für Gott bauen

Als ich neulich wieder einmal in Osteuropa unterwegs war, sah ich Riesenbaustellen für neue Autobahnen. Ganze Berge werden abgetragen, ungeheure Brücken errichtet und keine Mühen gescheut, um effiziente Hochleistungsstraßen zu schaffen. Was bewegen wir, um das Kommen Gottes in unsere heutige Welt zu ermöglichen? Ist dieses nicht viel mehr wert, alles in Bewegung zu setzen, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen und schnelle Verbindungen zwischen Seiner Frohbotschaft und der geplagten Schöpfung zu schaffen?

Wer in unwegsamem oder unbefestigtem Gelände etwas transportieren will, weiß die jesajanische Aufforderung zu schätzen, den Weg zu ebnen. Johannes der Täufer greift diese Aufforderung auf. Er versteht sich ja als finaler Wegbereiter für das Kommen Gottes in Jesus aus Nazareth. Immer wieder verwende ich gerne diese biblischen Impulse, um die Rolle der Kirche als „Zeichen und Werkzeug“ zu verdeutlichen. Kirche sei ja nicht Selbstzweck, sondern habe den Job, den Weg für Gott zu bereiten, sage ich manchmal etwas salopp, ob es nun hausgemachte Hindernisse seien oder vorgefundene Schlaglöcher oder Steine. Auf globaler Ebene hat Papst Franziskus mit der endgültigen und absoluten Ächtung der Todesstrafe soeben ein solches Signal gesetzt. Natürlich ernten diese und ähnliche „Straßenarbeiten“ nicht nur Zustimmung. Ob gelegen oder ungelegen: Kirche und damit jede und jeder Getaufte soll wachsam beobachten, was dem Kommen Gottes im Wege steht, um wie eine gute Straßenmeisterei so rasch wie möglich zu handeln und fließenden Verkehr zu ermöglichen. Was das im jeweiligen regionalen oder lokalen Kontext heißen kann, könnte und sollte Thema von Pfarrgemeinderatssitzungen, Konsistorien oder Geschäftsführungen sein. Nicht immer wird eine gemeinsame Einschätzung leicht sein, aber allein die Blickveränderung weg von Selbstbezogenheit hin zum aktiven Wegbereiten oder zumindest nicht im Weg Stehen hat Charme, wenn man Verkündigung, Missionierung und Evangelisierung ernst nimmt.

Anschauungsbeispiel

Heute nenne ich ein scheinbar belangloses und ein hochpolitisches Beispiel: Die meisten Gemeinden, die ich besuche, bieten nicht einmal sonntags gekennzeichnete WCs an. Sie unterlaufen damit gesellschaftliche Standards und bauen unnötige Hindernisse auf. Wessen Kinder oder betagte Eltern während eines Gottesdienstes aufs Klo müssen, weiß, wovon ich rede.
Politisch brisanter ist die steigende Verunglimpfung von Flüchtlingen als Problemverursacher, Krisenbeschleuniger oder sogar Feinde. Jedem ist klar, dass sich hier ein massiver Angriff auf Menschenrechte und christlich-humanistische Werte zusammenbraut, der vor kurzem in Europa undenkbar war. Zwar haben sich viele Kirchenführer vorbildhaft geäußert, aber das wird nicht ausreichen. Es braucht koordinierte, glaubwürdige und mutige Taten. Straßenarbeiter, die anpacken.